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Kunstsammlung

WerteHaus Volksbank Breisgau-Markgräflerland eG

 

GREGORI BEZZOLA / NIKLAUS HEEB

„Grenzgänger – ein visuelles Leitsystem zur Neuorientierung“,
„Transit“, „Rehsprung“, „Rehbus“, „Rolltreppe“, Emaille-Schilder 350 x 350 mm auf Stahlrohr, 2004-2015
„Wolf heulend“, 1350 x 1540 mm, Rohstahlblech, 2004-2015

Vor dem Gebäude zum Eingang, am Parkplatz, zur Straßenseite, vor dem Wertehaus

 

Im Herbst 2004 hatten Gregori Bezzola und Niklaus Heeb ihr Projekt „Grenzgänger“ im Schweizerischen Nationalpark realisiert. Sie ließen dort eine Mutterbärin mit Jungtieren, röhrende und kämpfende Hirsche, sowie einen heulenden Wolf auftreten. Daneben befanden sich irritierende Hinweisschilder, die man nicht so recht einordnen konnte.

Bei der Auswahl der Skulpturen und Werke, die im Rahmen des Symposiums für den Park der Volksbank entstehen sollten, wurde sofort der interessante Bezug des „Grenzgänger-Projekts“ von Bezzola/Heeb zum Thema der Kunstsammlung deutlich, die sowohl den Heimatbegriff als auch den Blick über die Grenzen thematisiert. Unsere Länder im deutschsprachigen Raum zeichnen sich durch einen großen Variantenreichtum an Gebots- und Verbotsschildern aus. Umfangreiche Verhaltensvorschriften haben immer zwei Seiten – einerseits sorgen sie für Klarheit und Ordnung. Zum anderen können sie schnell einen überreglementierten Bereich schaffen, in dem jegliche Kreativität erstickt. Letztendlich können in der Praxis sogar unsinnige Handlungen nötig werden, nur um einer Verordnung Genüge zu tun.

Jedes Unternehmen stellt natürlich Normen auf – für den Ablauf der inhaltlich zu erledigenden Arbeiten ebenso wie für die zwischenmenschliche Kommunikation und Hierarchie der Bereiche. Mit ihrem „visuellen Leitsystem zur Neuorientierung“ spielen die Künstler darauf an, dass sich mit dem Umzug in das Gewerbegebiet für die Mitarbeiter/innen der Volksbank Veränderungen auf den unterschiedlichsten Gebieten ergeben.

Gregori Bezzola und Niklaus Heeb haben daher das visuelle Erscheinungsbild ihrer Schilder so nahtlos an die üblichen Straßenleitsysteme angepasst, dass wir erst beim genaueren Hinsehen ihre ungewöhnlichen Motive bemerken. Auf dem Weg zum Parkplatz werden wir vor kreuzendem Rotwild gewarnt, das auf dem nicht vorhandenden Zebrastreifen Vortritt hätte. Wer ohne Auto kommt, könnte erst einmal einige Zeit an der dementsprechend gekennzeichneten Haltestelle auf den „Rehbus“ warten. Am Aufzug im Gebäude ist zu überlegen, ob man die Rolltreppe für Rehböcke suchen soll. Vor dem Wertehaus tritt man lieber etwas zurück, um dem Hirschsprung nicht im Weg zu sein. Bei der Cafeteria im Haupthaus trifft man schließlich auf einen Wolf, der ganz offensichtlich das Gebäude anheult, oder doch zumindest die Mitarbeiter auf etwas aufmerksam machen will.

Gerne sprechen wir von Nachhaltigkeit und Naturbezug, doch was geschieht, wenn der Wolf sich seinen Lebensraum auch in unseren Regionen wieder erobert? Wenn Hirsch und Reh Vorrang vor unseren Anliegen haben? Bezzola/Heeb regen mit ihren Werken zum Weiterdenken an. Sie tun das auf humorvolle, intelligente und ästhetisch ansprechende Weise. Sie hinterfragen und stellen neue Sinnzusammenhänge her, überraschen und amüsieren zugleich, wozu herausragende Kunst bestenfalls anregen kann.


Eva Mueller
Kunstberaterin